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Patrick Schuster: Ausstellungseröffnung "Gold"

Eröffnung im Antikhof Figl

Wenn es Ihnen so geht wie mir und Sie sich nun in Gegenwart dieser imposanten

Meisterwerke zunächst die Frage stellen: Ist hier tatsächlich alles Gold, was glänzt, so

lautet die Antwort – JA. Andernfalls wäre der Ausstellungstitel „Gold“ wohl gar nicht

zulässig.

Zugegeben, die Frage ist eine oberflächliche. Und oberflächlich, das ist die Kunst

Hermann Staudingers keinesfalls. Gestatten Sie mir zur Erläuterung also etwas

auszuholen und in der frühsten Kindheit des Künstlers zu beginnen: Viele Menschen

träumen in ihrem Leben ja von der erfolgreichen Suche nach Gold. So auch der Künstler.

Aber nicht – wie wohl die meisten – aus monetärer Motivation. Nein, Hermann

Staudingers Suche nach dem Gold ist eine technisch-spirituelle.

Im Alter von zehn Jahren, tut er das, was viele Kinder am liebsten tut: er malt und

zeichnet. Was ihn jedoch von der Mehrheit unterscheidet: er wird es weiter tun. Die

Einsamkeit des Prozesses – ohne sich dabei je alleine zu fühlen – weckt in ihm ein

Gefühl von Geborgenheit. Die bildnerische Kunst wird im Leben Staudingers früh zu

einer Art Zufluchtsort und soll es auch bleiben.

Damals aber – mit zehn Jahren – illustriert er gerade das Märchen vom Froschkönig. Wir

alle kennen es: der hübschen Prinzessin fällt ihre geliebte Goldkugel in die Tiefe des

Brunnens. Einzig und alleine ein darin wohnender Frosch ist in einem heroischen Akt im

Stande ihr die geliebte Preziose zurückzubringen. Im Gegenzug fordert der Frosch ein

Leben an ihrer Seite – in ihrem Bett zu schlafen, von ihrem Teller zu essen und ja, sogar

einen Kuss, der das Ekel evozierende Amphibium letztlich in den schönen Prinzen, der er

ja eigentlich immer war, verwandeln soll. Die beiden leben glücklich bis an ihr

Lebensende. Ende gut alles gut.

Nicht aber im Fall des jungen Hermann Staudingers, der damals an der Illustration der

goldenen Kugel scheitert – mehr als ein leuchtendes Orange oder ein gleißendes Gelb ist

einfach nicht drin. Der Glanz des Goldes will und kann nicht gelingen – andernfalls wäre

Staudinger wohl Alchemist.

Wird er aber nicht: Ender der 80er Jahre entscheidet sich der gebürtige Oberösterreicher

für eine Laufbahn als Künstler – studiert an der Angewandten in Wien bei Ernst

Caramelle Grafik und Malerei. Es entstehen Wolkenbilder aus sanften Bleistiftkreiseln

und Fotoserien etwa über schlafende Hunde. Merken Sie sich: Beide Techniken sollen

von zentraler Bedeutung im OEuvre Staudingers bleiben.Doch wie so oft, scheint beim Nachbarn das Gras grüner: Ein Freund und Kommilitone, der in der Parallelklasse bei Bruno Gironcoli studiert, lehrt Staudinger die Technik des

Vergoldens. Heureka! Das Gold gelingt. Und es wird ab 1995 zur allgegenwärtigen

Konstante im Scha$en des Künstlers.

Was ihn daran fasziniert, sind die Beständigkeit und Schönheit des glanzvollen

Edelmetalls. Nicht etwa die Instrumentalisierung als Status- oder gar Machtsymbol.

Staudinger nutzt es aufgrund seiner koloristischen Eigenschaften: Er möchte damit die

Wärme der Sonne einfangen, dem Licht in seiner Kunst Einzug gewähren und für

Betrachtende Räume eröffnen, die emotional berühren. Räume, die mehr zeigen, als

das ohnehin Offensichtliche. Räume der Transzendenz – jenseits des Bewussten.

Ähnlich wie etwa in der Ikonenmalerei.

Geht es ihm dabei um die Fortsetzung tiefverwurzelter, kunsthistorischer Traditionen?

Nein. Möchte er sich diesen verschließen? Ebenfalls: nein. Ist das Gold im Falle

Staudingers ikonografisch überladen? Noch ein letztes Nein. Aber darf Kunst gefallen?

JA. „Kunst muss schön sein dürfen, ohne aber dabei zwangsläufig gefällig zu sein“

– hat mir Hermann Staudinger einmal erzählt.

Wie aber gelingt dieser Spagat oder besser gesagt: die Wanderung entlang dieses

schmalen Grates? Seine Antwort: In dem man das Gold in seiner Strahlkraft bändigt. In

dem man es einbindet – ohne, dass es zu vordergründig ist.

Und hier schließt sich nun der Kreis: Ist alles Gold, was glänzt? JA. Aber auch die

Flächen, die in der Komposition glanzlos und leise zurücktreten, sie dadurch beruhigen

oder eben bändigen – JA, auch sie sind Gold. Gold, das nicht beabsichtigt aufdringlich

zu sein. Gold, das Gold entschleunigt.

Ob das Gold nun glänzt oder nicht, ist letztlich eine Frage der Vergoldungstechnik.

Schauen wir dazu ganz kurz genauer hin. Treten wir also in Resonanz mit den

Lichträumen seiner einzelnen Werkgruppen: Hier im Falle der Goldwände, die das

abstrakte Ende im OEuvre Staudingers bilden, werden tausende Blattgoldplättchen

mittels altbewährter, traditioneller Kreidevergoldung auf einen zuvor monochrom

bemalten Bildträger – in diesem Fall eine Hartholzplatte – aufgebracht. Durch das sanfte

Beschleifen bleibt die Vergoldung bloß an jenen Stellen bestehen, an denen sich die

Goldplättchen überlappen. Andernorts tritt die Untermalung entschleunigend hervor.

Die Untermalung bringt mich auch gleich zur Gruppe der Goldgrundphotos, bei denen

das Motiv – Fotografien aus dem persönlichen Umfeld des Künstlers – mittels Ink-Jet-

Druck auf einen zuvor vergoldeten Bildträger gedruckt werden. In malerischer

Kontextualisierung funktioniert das Gold hier als eine Form leuchtender Untermalung.

Das aufgedruckte Motiv ist es, das die Komposition bändigt und letztlich das Narrativ

des Bildes bedingt.

Und nun abschließend die Goldgrundprägungen: Was Sie hier sehen ist weder

Zeichnung, noch Malerei und auch kein Druck. Was Sie hier sehen ist reines Licht –

stellenweise gebrochenes Licht. Dazu wird das Motiv zunächst bearbeitet, ehe es auf

Papier gedruckt und über eine vergoldete Weichholzplatte gespannt wird.

Nun beginnt der Zauber: Mittels Bleistift werden die schwarzen Stellen der Fotografie

durch Abertausende kleine Striche – ohne dabei Farbe zu übertragen – in den Goldgrund

geprägt. Es ergibt sich eine reliefartige Struktur, an der sich das einfallende Licht bricht

und letztlich das Motiv sichtbar werden lässt.

So, nun habe ich genug geredet und würde vorschlagen: Lassen wir die Bilder sprechen.

Also: Tauchen Sie ein in dieses El Dorado und sollte Sie der Goldrausch packen – JA, alle

hier gezeigten Arbeiten stehen zum Verkauf.

Vielen Dank!